29.05.2020 / Artikel / /

Die Stadtgemeinde Brig-Glis setzt für den Wirtschaftsaufschwung auf eine Werbekampagne

Zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat der Stadtrat von Brig-Glis ein Massnahmenpaket von knapp 600000 Franken lanciert. Ein Drittel davon fliesst in die Ortsmarketing-Kampagne «Brig-Glis pulsiert – Herzlich willkommen».

 

Die Stadtgemeinde Brig-Glis rührt mit der grossen Kelle an: 200000 Franken werden in die Lancierung einer Kampagne fürs Stadtmarketing investiert. Unter dem Slogan «Brig-Glis pulsiert – Herzlich willkommen» sollen Menschen aus dem ganzen Oberwallis, aber auch von jenseits der Kantonsgrenze in die Stadt gelockt werden. «Gerade in der Krise ist es ungeheuer wichtig, Chancen zu packen und nicht bloss Löcher zu stopfen», hält Stadtpräsident Louis Ursprung fest. Die Stadtgemeinde will damit die gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen auf das lokale und regionale Gewerbe abfedern.

Wie die Kampagne funktionieren soll? In einem Sommer, in dem die Schweizer erwartungsgemäss im Inland Ferien machen werden, will sich die Stadtgemeinde als Ausflugsziel mit mediterranem Flair etablieren. Statt den Kaffee auf den Piazzas in Norditalien sollen Tagestouristen die Alpenstadt geniessen, so die Devise. Die BLS sei gerne bereit, dort als Partner mitzumachen, führt Ursprung aus.

Stärken ausspielen

Mit der Kampagne will man die Stärken der Alpenstadt in den Vordergrund rücken. «Sie fusst auf zwei Pfeilern», erklärt der für Wirtschaft und Kultur verantwortliche Stadtrat Daniel Studer. «Einerseits ist Brig-Glis die Oberwalliser Einkaufsmetropole.» Brig-Glis biete die grösste Zahl an Einkaufsgelegenheiten. Als Oberwalliser Bildungszentrum kommen in Brig-Glis 7000 Schüler auf gut 13000 Einwohner. «Die Stadtgemeinde ist also auch ein zentraler Treffpunkt», nennt Studer die zweite Säule. Diese Pfeiler sollen mit Werbeplakaten und über Social Media forciert werden. Sind die Ausflugsgäste einmal vor Ort, sollen schliesslich die ganze Gastronomie sowie die Einkaufsmeilen profitieren. Ursprung verspricht sich einen lang anhaltenden Effekt: «Diese Kampagne ist eine Investition in die Zukunft.» Ein forciertes Stadtmarketing wurde vom Stadtrat als weitaus nachhaltigere Lösung erachtet als das Verteilen von Einkaufsgutscheinen.

Die Kampagne läuft von Anfang Juni bis Ende Dezember. «Auf diese Weise wollen wir auch noch das Weihnachtsgeschäft mit einbeziehen», so Studer.

Die drei Gewerbevereine von Naters, Brig-Glis und Visp haben bereits am Mittwoch über eine eigene Sensibilisierungskampagne «Zämu fer iischi Region – jezz hiä chöüffu»  informiert. Das Ziel: Die einheimische Bevölkerung soll beim lokalen Gewerbe einkaufen und auf diese Weise das gesellschaftliche Leben, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit erhalten. Mittlerweile sind auch die Gewerbevereine aus Leukerbad, Zermatt, Steg und dem Goms mit von der Partie. Die gemeinsame Kampagne hat eine klare Message: Die Konkurrenz liegt nicht in der Nachbargemeinde, sondern im Ausland und im Internet. Dass die Stadtgemeinde nun noch eine eigene Kampagne fährt, wird deswegen hinter vorgehaltener Hand nicht von allen goutiert. Ursprung erklärt: «Unsere Kampagne ist keine Konkurrenz zu jener der Gewerbevereine, sondern eine Ergänzung. Es geht hier nicht darum, andere Gemeinden auszustechen. Jede Gemeinde hat ihre Stärken, die sie bewerben muss. Hätten wir noch andere hinzugeholt, hätten wir die Botschaft verwässert. Wir laden die Menschen dazu ein, die Stadtgemeinde zu besuchen.» Würden die Gäste bei einem solchen Besuch am Ende in Naters, Visp oder im Goms landen, wäre das ganz in ihrem Sinn, betont Ursprung.

Gemeinde erlässt Mieten

Der Präsident des Gewerbevereins von Brig-Glis, Alain Guntern, lobt das Vorgehen der Gemeinde: «Wir sind hocherfreut über die Massnahmen. Mit der Kampagne oder der Ausweitung der Verkaufsflächen ging die Gemeinde gar weiter als die Vorschläge des Gewerbevereins.» Der einzige Wermutstropfen: Der Gewerbeverein hätte sich gewünscht, dass die Stadtgemeinde in der Mietzinsfrage Pro Gewerbe Position bezieht. «Da dies auch auf nationaler Ebene ausgeblieben ist, kann ich den Entscheid jedoch nachvollziehen», sagt Guntern. Immerhin gehe die Gemeinde mit dem Verzicht auf eigene Mieteinnahmen als positives Beispiel voran.

Eine weitere, zentrale Massnahme: In Brig-Glis dürfen ab sofort nicht nur die Gastronomiebetriebe ihre Gartenterrassen erweitern, sondern auch die Verkaufsläden. Auf diese Weise soll ein richtiges «Piazza»-Ambiente aufkommen, wie man es sonst vom Gartenplausch kenne. Von Freitagabend, 17 Uhr, bis Montagmorgen, 5 Uhr, wird deswegen neu auch der Busverkehr aus der Innenstadt herausgenommen.

Zur Entlastung der Gewerbetreibenden müssen diese für die gesamten Aussenflächen bis Ende Oktober keine Mietzinsen an die Stadtgemeinde bezahlen. Auch sonst habe die Stadtgemeinde in Einzelfällen die Mietzinsen von Geschäftsräumen geprüft. «So hat der Stadtrat für das von den Behörden geschlossene gemeindeeigene Schulgebäude der ‹César Ritz Colleges› für die Monate April und Juni die Miete vollständig erlassen», führt Stadtpräsident Ursprung aus. Auch in den Bereichen Sport und Kultur fliessen die jährlichen Unterstützungsbeiträge, die oft an konkrete Anlässe gekoppelt sind, ungebremst weiter. «Aktuell geht es nicht um eine Sport- und Kulturförderung, sondern um die Erhaltung der beiden Bereiche», betont Ursprung. Das gesamte Massnahmenpaket zur Bekämpfung der Corona-Rezession beläuft sich gemäss dem Stadtpräsidenten auf gegen 600000 Franken. «Ein Betrag, den sich die Stadtgemeinde leisten kann. Auch in Anbetracht der zu erwartenden Steuerausfälle infolge von Corona. Man wird also auch im nächsten Jahr keine Budgetkürzungen vornehmen», ergänzt er.

Quelle: https://new.rro.ch/story/in-der-krise-muss-man-chancen-packen-und-nicht-lcher-stopfen/4551